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Interview mit Max - DR. MECHANIK - Atelier of finest Cafe Racer Harley-Davidson & Custom Bikes

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Hei Max. Deine Welt scheint schon immer 2 Räder zu haben. Wann hast du gemerkt, dass du Mopeds umbauen musst und kannst? 

Das ist ein längerer Prozess gewesen, vom ersten Wunsch etwas zu machen und bis zum ersten tatsächlichen Projekt sind ein paar Jahre vergangen. Ich bin in Kroatien aufgewachsen, in einer Stadt, in der man seit Jahrzehnten ein Mal im Jahr ein Straßen-Motorradrennen veranstaltet. Der Geruch in der Luft, der grölende Sound hoch drehender 2- und 4-Takt-Motoren, die Nachrichten, dass es den einen oder anderen hart erwischt hat, haben mich nicht abgeschreckt, sondern einen unaufhaltsamen Wunsch zum Schrauben und Fahren in mir geweckt. Da fing ich an, am Moped meines Vaters zu schrauben und habe einige illegale Rennen für mich entscheiden können, bis zu dem Tag, als ich einen schweren Unfall hatte und das Moped schrottreif war.  Da wir aber nicht genügend Geld hatten, etwas Neues zu kaufen, habe ich mit Teilen vom Schrottplatz und mit dem Motor, der nach dem Unfall übrig war, angefangen ein komplett anderes Bike zu bauen, Schweißen und Schleifen konnte ich schon, da ich immer mit meinem Vater gearbeitet habe. In den Sommerferien habe ich dann das Geld für die Teile verdient, die ich nicht selbst bauen konnte. Irgendwann war unser Hof voll mit Menschen, die sehen wollten, was der wahnsinnige 14-jährige Junge baut. Bis heute werde ich noch von meinen Freunden darauf angesprochen …  

Was war dein erstes Projekt für jemand anderen, dein erster Umbau für einen Kunden?

Ich habe schon in meiner Lehrzeit Motorräder für Geld repariert und damit meine Projekte finanziert, das sind immer kleinere Aufträge gewesen, meistens ging es um Motortuning und Speed. Da war ich so 14, 15. Für mich selbst habe ich öfters ausgefallene Projekte gebaut. Erst viele Jahre später, 1999 habe ich dann eine BMW R100R für einen Kunden komplett als Roadster neu aufgebaut, heute ist sowas „State of the Art“ und Zeitungen sind voll davon, da muss ich immer schmunzeln, wenn ich sowas sehe.  

Wie muss man sich den Prozess vorstellen, vom ersten Mal, wenn der Kunde deine Werkstatt betritt, bis zu dem Moment, an dem das fertige Bike deinen Laden verlässt? 

Ein Interessent kommt zu mir und schildert mir seine Vorstellung vom Motorrad. Oft sind das auch Bilder, die er mit hat,  die er über die Jahre gesammelt hat und meint, genau so ein Motorrad haben zu wollen. Ich amüsiere mich am meisten, wenn ein Kunde von 30 Bildern verschiedene Teile für sein Traummotorrad  verwenden möchte. Schnell wird es dann klar, dass so was nur zu einem, milde ausgedrückt, unbefriedigendem Ergebnis führen würde. Dann machen wir das auf meine Art. Ich möchte dann aus dem Privatleben von demjenigen mehr erfahren. Was er in seiner Freizeit macht, seine Lieblingsfilme, Musik, bla… teilweise total belangloses Zeug, so dass er sich öffnet und ich tiefer in seinen Wünschen graben kann.  Meistens fertige ich dann eine 5-Minuten Skizze an, die absolut nichts mit dem zu tun hat, was mir am Anfang gezeigt wurde, aber dem entspricht, was alle Sehnsüchte befriedigt. Klar, es ist alles eine Preisfrage, ich habe unendlich viel Konzepte im Kopf fertig. Ich bin ja von der Sache besessen und denke ununterbrochen daran, was es noch nicht gibt, um etwas Neues erschaffen zu können. Darum muss ich meinen Ideenflow dem Budget des Kunden anpassen, dabei tue ich mir schwer, meine Kreativität zu bremsen. Wenn der Kunde nach langer Zeit das Bike zum ersten Mal zu sehen bekommt, ist es fast ein mystisches Ereignis. Diese Stille, die Sprachlosigkeit des Kunden, das sind Momente, die ich nicht missen möchte, dieses Gefühl lässt mich viele nicht geschlafene Nächte vergessen. 

Manchmal entstehen tolle Freundschaften daraus. Manchmal erzählen mir Leute nach langer Zeit, was sie mit den Bikes erlebt haben und wie sie Details entdeckt haben, von denen sie überhaupt nichts ahnten … Das ist schön.   Es gibt natürlich auch andere Situationen, manche Kunden verhalten sich, wie wenn sie bei Amazon bestellt hätten. Da wird die Arbeit schnell zur Folter und macht natürlich keinen großen Spaß. Liefern ist jedoch Ehrensache, ich habe noch nie ein Projekt abgebrochen.  

Wer sind deine Kunden und was muss ein zukünftiger Kunde idealerweise mitbringen - außer Geld? 

Meine Kunden sind ganz normale Leute, der oder die Bäckerin von nebenan, Steuerberater, Rocker, Schauspieler und Profikiller der Bundeswehr, sowie auch der Chirurg, der jeden Tag Leben rettet, da ist alles dabei. Nur für Mercedes-Mitarbeiter arbeite ich nicht, das habe ich schon probiert und das ist nichts für mich. Ein Kunde soll auf jeden Fall offen sein, je lockerer desto besser, ein Ästhet, kein Ignorant.  Schließlich geht es hier nicht um Leben und Tod, das muss Spaß machen und wir müssen zusammen lachen können. Wenn das nicht geht, bin ich der Falsche. Ich habe schon Kunden die Adressen anderer Leute gegeben, wenn ich das Gefühl gehabt habe, dass die Chemie nicht stimmt.   

Du baust sehr mutige Bikes, sehr andersartige Bikes und man kann eine klare Entwicklung sehen, wenn man deine Motorräder in ihrer Timeline sieht. Was treibt dich jedes Mal aufs Neue an etwas Neues zu schaffen?

Ich bin so frei und behaupte, fachlich sehr gut informiert zu sein. Ich bin darüber informiert, was die anderen machen und ich mache dann genau das, was die nicht tun. Das hat mich schon auf diverse Titelseiten gebracht. Am Anfang habe ich sehr extreme Bikes gemacht. Ich habe diverse Shows gewonnen. In Deutschland hat man es aber gerne zurückhaltender, schöne Farbe oder abgefahrenes Design erschrecken die Menschen. So ist meine Entwicklung ein Rückschritt, denn ich kann deutlich mehr als die Kunden vertragen, ich halte mich mit meinen Ideen aber zurück, um nicht über das Ziel hinauszuschießen. Beim Cafe Racer habe ich jedoch auf der ganzen Bahn freie Hand gehabt, ein toller Kunde, ein schräger Typ ähnlich wie ich. Das hat mich so beflügelt, dass ich rund um die Uhr gearbeitet habe, ich habe mich emotional verpflichtet gefühlt. Als er das erste Mal das Bike gesehen hat, war seine Begeisterung unbeschreiblich. So was generiert die Kraft, die dafür benötigt wird. Die Ideen für neue Projekte sprudeln einfach so aus mir raus, ich weiß auch nicht genau, warum das so ist. Daraus entsteht automatisch ein extremer Tatendrang und ich denke, das ist auch gut so.        

Harley, BMW, Yamaha. Alles war bei dir zu sehen. Gibt es einen Hersteller oder ein Modell, das du bisher noch nicht unter deinen Werkzeugen hattest und dem du gerne deinen Stempel aufdrücken würdest!

Nein, das gibt es nicht. Momentan wird schon so viel „Gestempelt“ und ich stemple ja ungern einfach mit. Wenn man das so lange macht, hat man mit dem inneren Auge schon alles gesehen. Aber ich habe ein neues Konzept ausgearbeitet und werde unter dem Namen „Krpanić-Krafträder“ neue Wege gehen. Ich werde Krafträder bauen, die aus der Sicht der 20er Jahre des 20sten Jahrhunderts Zukunftsvisionen sind, nicht einfach zu beschreiben; und noch aufwändiger wird es sein, diese Teile zu bauen. Aber das genau suche ich, ich möchte an die Grenzen gehen und sie dann überschreiten. Ob es mir gelingt wird sich zeigen.       

Besten Dank, Max, und weiterhin viel Erfolg.

Danke sehr für die Aufmerksamkeit!


Dr. Mechanik 

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Letzte Änderung am Mittwoch, 31 Mai 2017 14:53