Bärte überall, auch bei mir im Spiegel, seit Jahren jeden Morgen, mal mehr, mal weniger. Schauzer, Backenbart, Vollbart kurz oder Vollbart lang, alles habe ich die letzten Jahren ausprobiert, momentan ist es ein gepflegter Voller.

Aber das bedeutet nicht, dass es nicht doch noch die Rasur in meinem Leben gibt, die Nassrasur mit einem Hobel bei mir, andere trauen sich ans Messer und andere bleiben beim Kunststoffgerät mit dem französischen Namen.

Die Konturen wollen gepflegt werden und erst mit einer formvollendenden Rasur sieht der Bart aus, wie er soll. Die Konturen sollen im Idealfall die Gesichtsform unterstreichen, der ganze Bart passt damit ins Gesicht und man(N) sieht exzellent gepflegt aus.

Nicht dass man es müsste, aber eine Rasier-Zeremonie ist einfach eine Sache, die mir gefällt. Ich nehme mir dafür Zeit, schliesse die Badezimmertüre, drehe meinen Bluetooth-Speaker auf, höre meine Lieblingsband und disconnecte mich für eine gute halbe Stunde von der Außenwelt, schaue mir tief in die Augen, konzentriere mich und lege los.

Mein Equipment sieht dabei wie folgt aus:

Der Hobel ist von Mühle, der geschlossene Kamm ist für das dickere Haar und bietet etwas mehr Sicherheit gegen Schnitte, vor allem am Kopf und im Schritt.

Klingen nehme ich von Astra, bestes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Zur Vorbereitung der Haare, besonders am Hals, nehme ich als erstes Wasser, heißes Wasser, so heiss, dass es gerade noch geht, und weiche die Barthaare damit ordentlich ein. 

Ich liebe die altmodische Art, den Schaum in einer Schale anzurühren, dazu nutze ich eine alte, ausrangierte Müslischale und einen Pinsel von Jagger. 

Tipp: Ein Halter sieht nicht nur gut aus, der Pinsel trocknet besser, keine Feuchtigkeit bleibt im Griff. Ich habe mir den unten gezeigten besorgt, da kann auch der Hobel aufgeräumt auf den nächsten Einsatz warten.

Den Schaum liefert, wie schon den Pinsel, Edwin Jagger, ich steh auf Sandelholz und ich mag schwarz, perfekt also.

Heisses Wasser also, danach etwas abtupfen, dann den vorher dick angerührten sensationell duftenden Schaum auf den Hals und wo sonst noch das Gesicht haarfrei werden soll.

Tipp: Es gibt Rasieröle, ich selber nutze sie nicht, aber einige meiner Freunde schwören drauf. Der Vorteil hier ist, man sieht nach dem Auftragen, was man sehen muss, perfekt für Anfänger, denke ich.

Als Fan von Floid, der spanischen Traditionsmarke, empfehle ich das hier:

Aber weiter mit dem Schaum, den arbeite ich in aller Ruhe schön mit dem Pinsel ein, immer wieder, je sorgfältiger du das machst, desto mehr liebt dich deine Haut. Überhaupt gilt bei der Rasur: Ruhe und Geduld sind essentiell.

Ich gestehe, ab und an steht im Bad ein Glas mit gutem Brandy, ich nippe ab und an daran, und mache danach geruhsam weiter. Ab und an ...

Die Rasur will konzentriert von statten gehen, ich mache erst die Flächen, bekomm langsam ein Gefühl für den Hobel, schwer so ein Hobel, ihr werdet überrascht sein wie schwer. Und kurz, ich fand den am Anfang fast zu kurz, aber das Handling ist schlicht ein gänzlich anderes als das gewohnte mit dem Kunststoff-Franzosen.

An die Konturen gehe ich nur ran bei bester Beleuchtung und absoluter Ruhe, was heisst, dass Clutch laut durchs Bad hämmern, innere Ruhe meine ich. Einmal die Konturen versaut und ihr wollt ne Woche nicht aus dem Haus, also langsam und ruhig und durchziehen. Je nach Beschaffenheit eurer Bäckchen, aufplustern oder nicht, ihr wisst schon.

Ich setze an und ziehe durch, vom Ohr bis zu den Mundwinkeln, ohne abzusetzen. Absetzen ist nix für mich, ich finde den richtigen Punkt nicht, um wieder anzusetzen und Feierabend ist. Am Hals ist das je nach Bartform weniger dramatisch, ich allerdings bin da genauso pingelig.  

Kommen wir zur Nachsorge der gestressten Haut.

Als erstes sollte die Haut mit warmem Wasser gereinigt werden, Seifenreste restlos abspülen, dann kaltes Wasser drauf, die Poren ziehen sich zusammen, kleine Blutungen stoppen. Bei größeren Schnitten nehme ich einen Alaunstein, brennt wie Sau, Blutung stoppt quasi sofort, es sei denn, ihr habt eine Schlagader erwischt, dann sind eure Sorgen aber ganz andere. 

Hier ist er:

Dann kommen wir zum Aftershave: Ich liebe, wie ich oben schon erwähnt habe, die Produkte von Floid. Die gibt es in zwei Varianten, sanftes Menthol oder "mentolado vigoroso", frisch, Zitrone mit Zedernnote, altmodisch brennt es ordentlich im ersten Moment, dann kommt die beruhigende Wirkung und ein Duft, der einzigartig ist. Ich liebe es und der Preis ist auch völlig ok.

Schaut euch den amazon-Shop von Floid an. Meine absolute Empfehlung.

Ich hoffe, ihr hattet Spass beim Lesen und evtl. Lust bekommen, mal was anderes auszuprobieren bei der Rasur. 

 

Publiziert in Salty Care
Donnerstag, 23 März 2017 08:43

Seife, der saubere Wiedergänger.

Seife, überall Seife. Und ja Freunde, vor allem im Bad des Mannes hält der lange vergessene Wiedergänger Seife mit Pauken und Trompeten Einzug.

Seife. Bei dem Wort kommen in mir Erinnerungen hoch. Kernseife. Dieser gelbliche Block, viereckig, rissig, lag im Bad und in der Waschküche. Damit wurde gereinigt. Opas Hemdkragen genauso wie mein Kinderhintern, die dreckigen Füße und die speckigen Haare.

Kernseife, was ist das? Hier ein Auszug aus Wikipedia Kernseife

"Kernseifen zählen zu den Seifen und sind in der Regel Natriumsalze von Fettsäuren. Sie haben eine weiße bis bräunliche Farbe und einen Fettsäuregehalt von 72–75 %. Sie werden meist aus Fetten geringerer Qualität gewonnen. Kernseifen bilden die Grundlage für Zubereitungen, die oft Feinseifen genannt werden und mit pflegenden Zusätzen, Parfümen und Farbstoffen versetzt sind."

Ein altes Hausmittel, heute leider vergessen. Seine Wirkung ist indessen unbestritten, egal gegen Pickel, Fußpflege, als Waschpulver, Geschirrspülmittel, gegen Blattläuse etc.

Die stark reinigende und entfettende Wirkung ist perfekt, wenn es darum geht etwas sauber zu bekommen. Aber Obacht, bei der Reinigung der Haut muss man aufpassen. Sehr schnell endet ein Zuviel des Guten in trockener Haut.

Kurz bevor dann das Duschgel seinen Siegeszug antrat (und damit die Seife in die Tonne trat) kamen noch einige Produkte, die wir alle noch aus Kindertagen kennen. Parfümierte Lifestyle-Seifen, von den irischen Weiten bis zur sozialkritischen Rechenart, ein letztes Zucken und dann war Ruh im Tal der Seifen.

... und nicht zu vergessen: Das Waschstück!

Allerdings seifenfrei.

Aber es gibt bei Weitem nicht nur Kern- und parfümierte Industrieseifen. Der Markt entdeckt gerade für uns neue, exotische Seifen, aus Afrika, Syrien, Jordanien, Seifen aus Hanfsamen, Aprikosen, mit Arganöl und eigentlich allem, was Mutter Erde uns in die Hände gibt.

Ich selber nutze seit Jahren Dudu Osun, die schwarze Seife aus Afrika.

Aufpassen Freunde, es werden unterschiedliche schwarze Seifen angeboten, nur diese hier ist dich echte Dudu Osun. Ein anderer Anbieter hat ein nach Kunstblumen duftendes Stück auf dem Markt, das sich des gleichen Namens bedient.

Dudu Osun stammt ursprünglich aus Westafrika, genauer gesagt aus Nigeria. Daher verdankt die Seife auch ihren Namen. Denn die Bezeichnung „Dudu Osun“ gehört zur Sprachfamilie der Yoruba, die gleichzeitig eine Ethnie in Südnigeria ist und bedeutet so viel wie „schwarze Seife“. Die Seife ist vom Optischen her tatsächlich eine schwarze Seife und wird vorzugsweise in Westafrika gebraucht. 

Zur Fertigung wird Karitébutter, Zitrussaft, Palmkernöl und die Asche aus verbrannten Fruchtständen der Ölpalmen verwendet. Durch letzteres erhält die Seife auch ihre schwarze Färbung.

Ich wasche mich täglich mit ihr, auch den Bart, der durch sie eine wundervolle Verwandlung erfahren hat. Er fühlt sich kräftig und weich an. Da ich seit einigen Jahren an einer Hauterkrankung leide, die man im Volksmund "Pergamenthaut" nennt, kam ich nach vielen fruchtlosen Versuchen auf diese Seife. Meine Haut wurde durch Dudu Osun wesentlich stabiler, weniger anfällig für Verletzungen.

Hier beschreibe ich meine Erfahrungen mit Dudu-Osun genauer.

Voraussetzung hier ist die regelmäßige Verwendung, ebenso wie bei anderen Problemen mit Haut und Haar.

Es gibt sie auch in einer parfümfreien Form.

Einen regelrechten Hype erfährt momentan eine der ältesten Seifen der Welt, die Aleppo Seife. Ein uraltes Produkt, die einen sagen die Sumerer, die anderen die Ägypter, und wieder andere sagen, die Römer hätten es erfunden.

Eins ist sicher, die Schweizer waren es diesmal nicht. 

Lorbeerseife und Olivenseife aus Aleppo sind in jedem Falle etwas besonderes. Bei der Herstellung bilden Oliven- und Lorbeeröl die Grundlagen. Je nach Mischungsverhältnis der beiden Öle verändert sich nicht nur der Effekt der Seife, auch ihr Preis. Je höher der Anteil an Lorbeeröl, desto teurer die Herstellung und desto wertvoller die Seife. 

Hier eine Seife im beliebten Verhältnis 60/40, also ca. 60 % Oliven- und 40 % Lorbeeröl.

Und hier eine im Verhältnis 85/15.

Ein weiterer Faktor, der Einfluss auf den Preis und die Wirkung der Seife hat, ist die Lagerung. Licht und die Luftfeuchte verändern die Seife in ihrem Äußeren und Inneren. Ein weicher Kern ist kein Zeichen für eine schlechte Seife oder deren Lagerung, nur sollte dieser nicht zu groß sein. Das könnte eine Hinweis auf die Nutzung von "Beschleunigern" beim Reifeprozess sein.

Einige Verkäufer bieten Proben an, kleine Seifen zum Probieren, um sich an seine Mischung und seine Seife ranzutasten. In jedem Fall gilt: Nehmt euch Zeit, der Geruch und der Effekt der Seife verändert sich mit der Zeit, wie auch Haut und Haare eine Weile brauchen, um sich letztlich auf die neue Pflege einzustellen.

Ich habe durchweg gute Erfahrungen gemacht. Ihr auch? Würde mich freuen, von euch zu hören.

  

 

 

 

Publiziert in Salty Care