Freitag, 07 April 2017 17:01

Der Bart, die Kür. Die Rasur, die Pflicht

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Bärte überall, auch bei mir im Spiegel, seit Jahren jeden Morgen, mal mehr, mal weniger. Schauzer, Backenbart, Vollbart kurz oder Vollbart lang, alles habe ich die letzten Jahren ausprobiert, momentan ist es ein gepflegter Voller.

Aber das bedeutet nicht, dass es nicht doch noch die Rasur in meinem Leben gibt, die Nassrasur mit einem Hobel bei mir, andere trauen sich ans Messer und andere bleiben beim Kunststoffgerät mit dem französischen Namen.

Die Konturen wollen gepflegt werden und erst mit einer formvollendenden Rasur sieht der Bart aus, wie er soll. Die Konturen sollen im Idealfall die Gesichtsform unterstreichen, der ganze Bart passt damit ins Gesicht und man(N) sieht exzellent gepflegt aus.

Nicht dass man es müsste, aber eine Rasier-Zeremonie ist einfach eine Sache, die mir gefällt. Ich nehme mir dafür Zeit, schliesse die Badezimmertüre, drehe meinen Bluetooth-Speaker auf, höre meine Lieblingsband und disconnecte mich für eine gute halbe Stunde von der Außenwelt, schaue mir tief in die Augen, konzentriere mich und lege los.

Mein Equipment sieht dabei wie folgt aus:

Der Hobel ist von Mühle, der geschlossene Kamm ist für das dickere Haar und bietet etwas mehr Sicherheit gegen Schnitte, vor allem am Kopf und im Schritt.

Klingen nehme ich von Astra, bestes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Zur Vorbereitung der Haare, besonders am Hals, nehme ich als erstes Wasser, heißes Wasser, so heiss, dass es gerade noch geht, und weiche die Barthaare damit ordentlich ein. 

Ich liebe die altmodische Art, den Schaum in einer Schale anzurühren, dazu nutze ich eine alte, ausrangierte Müslischale und einen Pinsel von Jagger. 

Tipp: Ein Halter sieht nicht nur gut aus, der Pinsel trocknet besser, keine Feuchtigkeit bleibt im Griff. Ich habe mir den unten gezeigten besorgt, da kann auch der Hobel aufgeräumt auf den nächsten Einsatz warten.

Den Schaum liefert, wie schon den Pinsel, Edwin Jagger, ich steh auf Sandelholz und ich mag schwarz, perfekt also.

Heisses Wasser also, danach etwas abtupfen, dann den vorher dick angerührten sensationell duftenden Schaum auf den Hals und wo sonst noch das Gesicht haarfrei werden soll.

Tipp: Es gibt Rasieröle, ich selber nutze sie nicht, aber einige meiner Freunde schwören drauf. Der Vorteil hier ist, man sieht nach dem Auftragen, was man sehen muss, perfekt für Anfänger, denke ich.

Als Fan von Floid, der spanischen Traditionsmarke, empfehle ich das hier:

Aber weiter mit dem Schaum, den arbeite ich in aller Ruhe schön mit dem Pinsel ein, immer wieder, je sorgfältiger du das machst, desto mehr liebt dich deine Haut. Überhaupt gilt bei der Rasur: Ruhe und Geduld sind essentiell.

Ich gestehe, ab und an steht im Bad ein Glas mit gutem Brandy, ich nippe ab und an daran, und mache danach geruhsam weiter. Ab und an ...

Die Rasur will konzentriert von statten gehen, ich mache erst die Flächen, bekomm langsam ein Gefühl für den Hobel, schwer so ein Hobel, ihr werdet überrascht sein wie schwer. Und kurz, ich fand den am Anfang fast zu kurz, aber das Handling ist schlicht ein gänzlich anderes als das gewohnte mit dem Kunststoff-Franzosen.

An die Konturen gehe ich nur ran bei bester Beleuchtung und absoluter Ruhe, was heisst, dass Clutch laut durchs Bad hämmern, innere Ruhe meine ich. Einmal die Konturen versaut und ihr wollt ne Woche nicht aus dem Haus, also langsam und ruhig und durchziehen. Je nach Beschaffenheit eurer Bäckchen, aufplustern oder nicht, ihr wisst schon.

Ich setze an und ziehe durch, vom Ohr bis zu den Mundwinkeln, ohne abzusetzen. Absetzen ist nix für mich, ich finde den richtigen Punkt nicht, um wieder anzusetzen und Feierabend ist. Am Hals ist das je nach Bartform weniger dramatisch, ich allerdings bin da genauso pingelig.  

Kommen wir zur Nachsorge der gestressten Haut.

Als erstes sollte die Haut mit warmem Wasser gereinigt werden, Seifenreste restlos abspülen, dann kaltes Wasser drauf, die Poren ziehen sich zusammen, kleine Blutungen stoppen. Bei größeren Schnitten nehme ich einen Alaunstein, brennt wie Sau, Blutung stoppt quasi sofort, es sei denn, ihr habt eine Schlagader erwischt, dann sind eure Sorgen aber ganz andere. 

Hier ist er:

Dann kommen wir zum Aftershave: Ich liebe, wie ich oben schon erwähnt habe, die Produkte von Floid. Die gibt es in zwei Varianten, sanftes Menthol oder "mentolado vigoroso", frisch, Zitrone mit Zedernnote, altmodisch brennt es ordentlich im ersten Moment, dann kommt die beruhigende Wirkung und ein Duft, der einzigartig ist. Ich liebe es und der Preis ist auch völlig ok.

Schaut euch den amazon-Shop von Floid an. Meine absolute Empfehlung.

Ich hoffe, ihr hattet Spass beim Lesen und evtl. Lust bekommen, mal was anderes auszuprobieren bei der Rasur. 

 

Letzte Änderung am Donnerstag, 20 April 2017 11:30